Stolz verkünden immer mehr Organisationen und Institutionen, dass sie nun im Fediverse vertreten sind... und nahezu ausschließlich betreten sie es mit Mastodon.
Dabei ist Microblogging, die Domäne von Mastodon und einigen anderen Diensten, nicht unbedingt die beste Wahl für den Zweck, der eigentlich verfolgt wird...
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Fediverse: Die passende Plattform wählen
Staccato taugt nicht für jeden Zweck...Stolz verkünden immer mehr Organisationen und Institutionen, dass sie nun im Fediverse vertreten sind... und nahezu ausschließlich betreten sie es mit Mastodon.
Dabei ist Microblogging, die Domäne von
Mastodon und einigen anderen Diensten, nicht unbedingt die beste Wahl für den Zweck, der eigentlich verfolgt wird.
Microblogging ist Kurzformat-Kommunikation mit meist sehr kurzen, dafür aber häufigen Postings mit Links, Bildern oder Videos. Die typische Nutzung für Microblogging sind Echtzeit-Updates, kurze Statements, Link-Teaser, Live-Kommentare, Trend‑Monitoring und Direktdialog. Microblogging-Plattformen wie Mastodon haben natürlich ihre Stärken: Sie sind schnell, aufmerksamkeitsstark und bieten eine gute Möglichkeit für eine "virale Verbreitung" innerhalb des Fediverse. Zusätzlich ist die Einstiegshürde recht gering.
Aufgrund des Konzepts gibt es aber auch Grenzen bzw. Nachteile: Begrenzte inhaltliche Tiefe und schnelle Vergänglichkeit, sowie das Risiko von Missverständnissen.
Macroblogging hingegen meint Plattformen mit längeren Beiträgen, ausgeprägtem Community-/Gruppenmanagement und Funktionen für Events und Dokumentation. Paradebeispiele dafür sind
Hubzilla und
Friendica.
Typische Merkmale sind umfassende Profilseiten, Gruppen, Veranstaltungen, längere Texte, Dokumentenarchivierung, feinere Moderationswerkzeuge und mehr Kontrolle über die Daten. Sie sind besonders geeignet für tiefere Informationsvermittlung, langfristige Community‑Pflege, strukturierte Diskussionen und Veranstaltungsmanagement, und bieten bessere Archivfunktion und dauerhafte Sichtbarkeit.
Also...
Für schnelle Meldungen, Live‑Updates und Trend‑Monitoring ist Microblogging sehr gut geeignet und bietet Tempo und Reichweite innerhalb relevanter Communities.
Für ausführliche Erklärungen, offizielle Statements, Dokumentation, Veranstaltungs- und Mitgliedermanagement hingegen, eignen sich Macroblogging-Dienste wesentlich besser.
Nun mag man auf die Idee kommen, dass man für viele Zwecke, die beide Bereiche beanspruchen, dann auch zwei Fediverse-Präsenzen einrichten und pflegen müsste.... und genau hier liegt ein Denkfehler: Während man bei ausgesprochenen Microblogging-Diensten, wie z.B. Mastodon, auf die Möglichkeiten dieser Sparte festgenagelt ist, bekommt man bei Macroblogging-Diensten die umfassenderen Möglichkeiten an die Hand, kann damit aber auch Microblogging betreiben, ist also gar nicht auf eine gesonderte Plattform angewiesen.
Wer sich also überlegt, das Fediverse zu bespielen, sollte sich vorher Gedanken machen, was denn erreicht werden soll. Geht es um kurze Hinweise und ggf. Verweise auf andere (ausführlichere) Quellen, dann genügt eine Microblogging-Plattform. Für mehr sollte man dann doch eher Hubzilla oder Friendica nutzen. Der Kreis der Nutzer, die damit erreicht werden können, unterscheidet sich ja nicht von dem Kreis derer, die durch Microblogging erreicht werden können.
Und wer hofft, durch Links auf umfassendere Beiträge an anderer Stelle viele Leser zu gewinnen, der wird wahrscheinlich rasch enttäuscht und vielleicht das Fediverse wieder verlassen, weil man "da ja keine Reichweite generieren" kann.
Ja... es ist wohl tatsächlich so, dass geteilten Links nicht so oft gefolgt wird. Hier kann man aber einfach zweigleisig fahren, was einem Hubzilla sehr erleichtert. Für wiederauffindbare und strukturierte Beiträge bietet sich das Format der "Artikel" an. Diese werden jedoch nicht föderiert. Es spricht aber nichts dagegen, ein und denselben Beitrag zusätzlich auch noch als normales Posting zu teilen, sodass er föderiert wird. Das dann am besten mit einer Zusammenfassung, damit solche Postings nicht "unangenehm" bei den Microblogging-Diensten auffallen, und am Ende einfach noch mit einem Link zur Artikel-Quelle auf dem eigenen Kanal. Diese Strategie werde ich ab heute einmal ausprobieren.
Wer nicht mehr will, als "Staccato", der wird mit einem Microblogging-Dienst zufrieden sein. Wer aber die Möglichkeit für eine umfassendere Kommunikation und Informationsbereitstellung wünscht, der sollte sich die Macroblogging-Dienste anschauen... und dabei im Hinterkopf behalten, dass auch Microblogging damit möglich ist, ohne sich beim Kreis der möglichen Empfänger damit zu beschränken.
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