...was die ganze Sache nun soll?
Seit ein, zwei Tagen tauchten mehr und mehr Postings in meinem Stream auf, in welchen es um das "Forkiverse" ging.
Seit ein, zwei Tagen tauchten mehr und mehr Postings in meinem Stream auf, in welchen es um das "Forkiverse" ging.
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...was die ganze Sache nun soll?
Seit ein, zwei Tagen tauchten mehr und mehr Postings in meinem Stream auf, in welchen es um das "Forkiverse" ging.
Forki... Was?
Also das Fediverse kenne ich ja... und dann kenne ich noch die Forkeys, also Fediverse-Software, die als Forks oder Forks von Forks oder... na ja... Forks halt von Misskey entstanden sind (also Sharkey, Calckey - Firefish, Iceshrimp und wie sie alle heißen)... aber was ist denn das "Forkiverse" und weshalb wird darüber so viel geschrieben?
So rein vom Namen klingt es so, als würde da jemand das Fediverse "forken" wollen, also ein neues, abgeleitetes, aber dennoch anderes Fediverse schaffen.
Aber ist dem wirklich so? Und braucht es sowas? Und möchte irgendwer sowas? Und überhaupt...
Wirklich fundierte Informationen darüber, was das "Forkiverse" nun ist, findet man nicht wirklich.
Es gibt eine Mastodon-Instanz (also schonmal nix mit "Fork") mit dem Namen "Forkiverse" unter der Domain theforkiverse.com. Und da steht dann auch ein Satz:
Building a better internet with your friends from Hard Fork and Search Engine.
Also...
Gemeinsam mit Ihren Freunden von Hard Fork und Search Engine ein besseres Internet schaffen.
Wer oder was sind jetzt "Hard Fork" und "Search Engine"? Und wer sind diese Freunde, die meine Freunde sein sollen und mit mir ein "besseres Internet" aufbauen möchten?
Mehr Infos findet man unter der Domain zunächst nicht. Außer, dass es (stand 12. Januar 2026) um die 3.200 Accounts auf der Instanz gibt und die Instanz von einem gewissen Kevin Roose betrieben, adminstriert, moderiert wird.
Wer ist das denn nun schon wieder? Ein amerikanischer Journalist ist es. Kein Wunder, dass mir der Name nicht geläufig ist. Und er arbeitet irgendwie auch für die New York Times. Da zeichnet er auch für den Podcast "Rabbit Hole" verantwortlich und er ist außerdem Co-Moderator eines weiteren NYT-Podcasts mit dem Namen "Hard Fork".
Aaahhh... jetzt... "Hard Fork" ist also ein NYT-Podcast, der von Kevin Roose und einem gewissen Casey Newton moderiert wird... und in welchem es um die "Radikalisierung des Internets" geht.
Der Name Casey Newton taucht im Zusammenhang mit "Forkiverse" auch immer mal auf. Und wer ist das nun? Na auch ein amerikanischer Journalist.
Gräbt man dann in den Infos zu diesen Protagonisten und den Podcasts stößt man irgendwann auch auf "Search Engine", was ein Podcast von CBC bzw. TVOntario ist, ursprünglich moderiert von einem Jesse Brown, jetzt wohl von einem gewissen PJ Vogt, dessen Name auch im Zusammenhang mit dem "Forkiverse" immer wieder fällt.
Na ok... das mit "meinen Freunden von Hard Fork und Search Engine" war wohl nix. Hab da keine Pfroinde. Egal...
Und die wollen jetzt ein "besseres Internet" aufbauen. Stellt sich also die Frage, was denn ein "besseres" Internet auszeichnen soll.
Liest man die wenigen (habe nur zwei mit "etwas Fleesch uffe Rippen" gefunden) Artikel zum "Forkiverse", bekommt man eine grobe Vorstellung, was es damit auf sich haben soll. [1] [2]
Also... das "Forkiverse" ist ein Kind dreier Podcaster: Kevin Roose, Casey Newton und PJ Vogt. Sie wollen ein "besseres" Internet schaffen, wobei "besser" von ihnen nicht wirklich definiert wird. "Besser" halt! Und wer würde das nicht wollen, denn schließlich soll ja "die derzeitige Version des Internets" laut ihrer Ansicht die "wohl die schlechteste, die es je gab" sein.
Also... na ja, so richtig ein neues Internet trauen sie sich dann doch eher nicht zu. Ihre Vision ist ein "besseres Soziales Netzwerk". Das wollen sie aber mal machen. Und dafür nutzen sie Mastodon. Ist ja prima! Aber damit schaffen sie ja nichts Neues, denn Mastodon gibt es nun schon seit dem 16. März 2016 und das Fediverse, dessen Teil es ist, bereits seit dem 18. Mai 2008. Was sie geschaffen haben, ist eine weitere Mastodon-Instanz zu den bis dahin (Zahlen laut FediDB) 9.181 anderen Mastodon-Instanzen bzw. eine weitere Fediverse-Instanz zusätzlich zu den bis dahin 42.906 Fediverse-Instanzen.
Nun ist aber auch ihre Instanz Teil des Fediverse (und deshalb spülte es mit Postings von dieser Instanz in meinen Stream) und damit war es das dann auch schon mit dem vermeintlich "besseren" Sozialen Netzwerk nach ihren Vorstellungen. Denn sie haben ja keinen Einfluss darauf, was im gesamten Fediverse so alles passiert.
Hätte sie einen wirklichen "Reinraum" erschaffen wollen, hätten sie ihre Instanz entweder deföderieren müssen oder womöglich gleich eine andere Social-Network-Anwendung (sowas wie Oxwall, HumHub, Elgg etc.) oder eine Foren-Software nutzen können. Solange aber ihre Forkiverse-Instanz im Fediverse drinhängt, sind sie Teil dieses großen Netzwerks und nur beschränkt in der "Reinhaltung".
Der Artikel von Maho Pacheco offenbart auch, dass weder er, noch die drei Forkiversisten das Fediverse an sich verstanden haben. Man benötigt nämlich für eine Art Community, wie sie sich eine vorstellen, keine eigene Instanz. Und es ist auch nicht im Sinne der Dezentralisierung, nun möglichst viele Gleichgesinnte auf eine einzige Instanz zu locken (mit einem irgendwie gearteten Heilversprechen à la "besseres Internet").
Und, auch wenn ich viele hier vielleicht enttäuschen mag: Es ist und bleibt völlig egal, welche Instanz Ihr für Euren Account auswählt. Zumindest themenbezogen oder in Bezug auf die Region. Die Instanz-Regeln können einen Ausschlag für die Auswahl geben oder die Zuverlässigkeit (Verfügbarkeit). Aber eine "Angler-Instanz" ist auch für Nicht-Angler genauso gut zu nutzen, wie eine andere Instanz und sie bringt auch Angelbegeisterten keine wirklichen Vorteile. Lediglich die lokale öffentliche Timeline enthält dann wahrscheinlich mehr Angler. Aber wolltet Ihr nicht Algorithmen loswerden? Wolltet Ihr nicht, dass Euch nichts ungefragt in die Timeline gespült wird. Ist der lokale Stream wirklich so wichtig?
Das Fediverse macht ein klein wenig Mühe. Damit Angler als Angler gefunden werden, müssen sie diese Info halt in ihrem Profil unterbringen. Oder man sucht, auch wenn man einen Account bei einer anderen Instanz hat, einfach mal eine Angler-instanz auf und schaut sich deren lokale Zeitleiste an, um auf Angelfreunde zu stoßen. Himmel! Wenn Ihr war vorgekaut haben wollt, müsst Ihr halt bei den Walled Gardens bleiben und Euch von einem undurchsichtigen Algorithmus vor den Latz knallen lassen, was dieser meint, dass es Euch interessiert.
Und der Titel ihres Projekts ist jetzt auch nicht unbedingt sehr geschickt gewählt. "Forkiverse" klingt nämlich erstmal so, als gibge es wirklich um eine Abspaltung von Fediverse... was es aber ja eben wieder nicht ist, weil ins Fediverse eingebunden. Der Name weckt Erwartungen, die das Projekt nicht erfüllen kann. Ob das jetzt ein Versehen aus Unwissenheit war oder ob es eher eine Art Marketing-Gag sein sollte... keine Ahnung. Sympathien kann man so nicht sameln. Und eine möglichst große Instanz anzustreben widerspricht sowohl dem dezentralen Gendanken des Fediverse und macht alle Bemühungen, die Nutzer auf möglichst viele Instanzen zu verteilen, zunichte.
Für mich sieht die ganze Sache wie eine mächtige Schaumschlägerei aus... nicht mehr und nicht weniger. Und wenn der Hashtag in absehbarer Zeit nicht mehr so wild durch die Gegend geworfen wird, dann lösche ich ihn auch wieder aus meinem Filter.
[1] The Forkiverse Experiment and Why Instance Choice Matters (arch)
[2] The Fediverse Experiment (arch)
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