Alternative to...
PermalinkDas Fediverse wird oft als Alternative zu den großen Sozialen Netzwerken bezeichnet. Und meist, fast immer, wird in diesem Zusammenhang Mastodon mit dem Fediverse gleichgesetzt und als Ausgangspunkt für das Fediverse empfohlen.
Das ist aber eine beschränkte, im Prinzip falsche Vorstellung, dass
das Fediverse eine Alternative zu anderen Sozialen Netzwerken ist.
Grund für diesen Trugschluss ist u.a., dass nicht korrekt zwischen
Social Media und
Social Networking unterschieden wird.
Social Media ist eigentlich nur ein Oberbegriff, unter welchen Social Networks ebenfalls fallen und meint sämtliche digitalen Plattformen, die es Nutzern ermöglichen, Inhalte zu erstellen, zu teilen und zu konsumieren. Der Kern dieser Plattformen sind eben diese Medien, welche Texte, Bilder, Videos, Audioinhalte etc. umfassen.
Zu Social Media zählen auch die Social Networks, aber ebenso Blogging-Plattformen, Foren und Nachrichtenaggregatoren. Halt alles was dazu dient Inhalte anzubieten, zu kosumieren und ggf. zu teilen.
Der Fokus liegt hier weniger auf zwischenmenschlichen Beziehungen, als vielmehr auf dem Content selbst, seiner Erstellung, Kuratierung und Verbreitung.
Social Networking ist eine Teilmenge von Social Media und bezieht sich auf Plattformen, deren Hauptzweck der Aufbau und die Pflege persönlicher und beruflicher Beziehungen ist. Hier stehen Netzwerke, Profile und direkte Interaktionen im Vordergrund.
Jedes Social Network ist Social Media, aber nicht jedes Social Media ist ein Social Network.
Das Fediverse in seiner Gesamtheit ist ein Social-Media-Netzwerkverbund, nicht aber ausschließlich ein Social-Networking-Verbund. Instanzen unterschiedlichster Ausrichtung interagieren dort mit einem gemeinsamen Kommunikationsprotokoll namens
ActivityPub. Mit welcher Software die Instanzen betrieben werden, ist zunächst einmal egal, was die Einordnung als Social-Media-Network betrifft.
Interessant wird die verwendete Software erst in dem Moment, wenn es darum geht, ob ein Fediversedienst auch Social Networking ist.
Mastodon (Microblogging-Dienst) ist kein reinrassiges Social Network. Das verwundert auch nicht, weil es in gewisser Weise Twitter/X nachbilden soll. Der Schwerpunkt von X war aber nie wirklich die soziale Interaktion, sondern vielmehr das schnelle Verbreiten von Inhalten, um damit möglichst viele Nutzer zu erreichen und diese in gewisser Weise an sich zu binden. Sicher ist ein gewisses Maß an sozialer oder geschäftlicher Interaktion möglich, aber nicht wirklich einfach. Je mehr Nutzern man folgt, desto schwieriger ist es, echte Dialoge zu führen. Diese Einschränkungen hat Mastodon, weil es X möglichst nachbilden möchte, natürlich übernommen. Dadurch, dass Postings nicht als eine zusammenhängende Konversation zwischen Startpost-Ersteller und Kommentatoren verwirklicht werden, ist eine konsistente Unterhaltung auch nur eingeschränkt möglich. Und bei vielen Beteiligten an solchen Gesprächen bleiben etliche auch außen vor, sofern sie nicht explizit erwähnt werden. X, und damit auch Mastodon, sind Social Media mit eingeschränkten Social-Networking-Fähigkeiten. Ein Anhaltspunkt dafür ist, dass zwischen Gefolgten und Followern bzw. im besten Falle Mutuals unterschieden wird. Und es ist Microblogging! Die Inhalte sind also größenbeschränkt. Das muss kein Manko sein. Es gibt allerdings auch andere Microblogging-Dienste im Fediverse, die dabei auch echtes Social-Networking bieten (und nebenbei auch vieles andere besser möglich, oder überhaupt erst möglich machen, was bei Mastodon fehlt).
Echtes Social-Networking bieten außerhalb des Fediverse Dienste wie Facebook, LinkedIn und, als es noch existierte, Google+. Hier steht (stand) die soziale Interaktion und das Pflegen von Kontakten im Mittelpunkt.
Von diesen drei Diensten ist Facebook die einzige Macroblogging-Anwendung mit 63.206 Zeichen. LinkedIn erlaubt inzwischen 3.000 Zeichen, und zählt damit mit Google+, welches letztlich ca. 1.000 Zeichen zur Verfügung stellte, zu den Microblogging Diensten. Trotzdem sind sie auf wechselseitige Interaktion ausgelegt und damit echtes Social Networking.
Was lernen wir daraus?
Es ist wichtig zu wissen, was man will.
Möchte man echte Interaktion, dann muss man sich einen Dienst suchen, welcher diese auch möglichst optimal bietet. Im Fediverse sind das Friendica, Hubzilla und (streams). Kontakte sind dort bidirektional, wirken also in beide Richtungen.
Geht es um reines Social Media in dem Sinne, dass man Inhalte schnell und ohne die Notwendigkeit der Interaktion und einer echten Verbindung zu anderen Nutzern verteilt, dann kann man sehr gut mit Mastodon fahren, es gibt aber auch noch andere hervorragende Dienste dieser Art, z.B. Pleroma/Akkoma, GoToSocial, Snac2, Mitra. etc.
Eine Art "Zwischending" sind Dienste wie Misskey und die Forkeys. Mit ihnen ist auch echte soziale Interaktion einfacher möglich, als bei den reinen Social Media Diensten, die Fähigkeiten gehen aber nicht so weit, wie bei den reinrassigen Social-Networking-Diensten.
Schließlich gibt es noch Spezialfälle... z.B. Lemmy und kbin, die sich in der Funktion an Reddit orientieren und Social Media mit stärkeren Social-Networking-Fähigkeiten bieten, oder Peertube als Social-Media-Ersatz für YouTube, Pixelfed als Social-Media-Ersatz für Instagram, Loops als Social-Media-Ersatz für TikTok...
Was man dabei nicht vergessen darf: Alle diese Dienste sind Teil des Fediverse. Deshalb ist es relativ egal, für welchen Dienst man sich entscheidet, wenn es darum geht, Nutzer anderer Dienste zu erreichen.
Jeder im Fediverse ist für jeden im Fediverse erreichbar, egal bei welchem Dienst derjenige ist.Es ist egal, wenn alle Deine Freunde bei Mastodon sind. Du kannst trotzdem Friendica oder Hubzilla nutzen und mit ihnen in Kontakt bleiben. Wobei... wenn es um halbwegs "echte Freundschaft" geht, wäre es vielleicht sogar besser, wenn sie früher oder später auch zu Friendica, Hubzilla und co. wechseln (und dabei ihre Kontakte mitnehmen können), um eine echte soziale Interaktion zu genießen.
Titelbild von KNFind auf Pixabay#
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