Was so war… #8
5.1.26 – 25.1.26 - Drei Wochen ordentlich was los, wobei sich alles um wenige Themen dreht. Drama ist auch dabei.
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5.1.26 – 25.1.26
Drei Wochen ordentlich was los, wobei sich alles um wenige Themen dreht. Drama ist auch dabei.
Eine Studie, die vielen nicht gefallen wird
Das Ärzteblatt, nicht verdächtig, dem Dampfen gegenüber besonders positiv eingestellt zu sein, überrascht mit einem Artikel über eine Studie und titelt "Rauchen: Nach Modellrechnung verhindert die E-Zigarette vorzeitige Todesfälle" (rdbl). Die Studie kommt zu dem Schluss, dass die Förderung des Umstiegs vom Rauchen auf das Dampfen im schlechtesten angenommenen Fall (Pfrunzeln hätten ein vermutetes relativ(!) hohes Risiko) in zehn Jahren ca. 1,6 Millionen Menschen das Leben retten könnte und damit 20,8 Millionen Lebensjahre schenken könnte, und im besten Fall (was also der tatsächlichen Schädlichkeit des Dampfens entspricht) sogar 6,6 Millionen Menschenleben retten und damit 87,7 Millionen Lebensjahre Zugewinn "erwirtschaften" dürften.
Das sind mal Hausnummern! Nur nimmt wieder einmal niemand diese Studie so richtig zur Kenntnis und sie schafft es natürlich nicht in die Schlagzeilen. Das schaffen andere "Studien" oder haltlose Behauptungen irgendwelcher staatlichen Institutionen... wenn es genügend Drama gibt und alle nicken können, weil sie schon immer wussten, dass Dampfen sehr schädlich, wahrscheinlich (oder gewiss) sogar schädlicher als das Rauchen ist. Das produziert Klicks und konditioniert die Rezipienten solcher Presse, was ja erwünscht ist.
Passivdampf-Studien daneben gegangen
Dann gab es Studien zum "Passivdampfen", die Horrorszenarien bezüglich der Exposition Dritter durch unser Aerosol zeichnete. Sébastien Soulet and Roberto A. Sussmann haben diese Studien zerlegt. Es wurde nämlich nicht der ausgeatmete Aerosolrest für die Messungen verwendet, sondern der von den Geräten unmittelbar abgegebene Dampf in Kammern geleitet. Pech! Es gibt keinen "Nebenstromdampf" beim Pfrunzeln. Bei den Experimenten wurde zwar korrekt vorgegangen, aber der Versuchsaufbau hat halt absolut nichts mit der Realität zu tun. Den frisch erzeugten Dampf haben die Forscher dann auch noch in eine zwei Kubikmeter fassende Kammer geleitet. Sussmann vergleicht das mit einer Telefonzelle. Sehr realitätsnah, der Versuch, echt mal. Und schließlich haben sie ihr Liquid auch noch selbst gemischt und dabei Aromakomponenten genutzt, die in der Praxis unüblich sind (Liqud mit ausschließlich zugesetzten Terpenen, wie z.B. α-Pinen oder Geraniol, also auch völlig realitätsfern). Insgesamt also wertlos, was die Aussagekraft für die Praxis betrifft. Aber solche Studien sind halt in der Welt und der Artikel von Sussmann und Soulet nimmt auch wieder niemand zur Kenntnis... und deshalb muss das Dampfen an allen möglichen Orten dringend eingeschränkt oder verboten werden.
Überraschung
Das mir bislang völlig unbekannte Magazin "LokalKlick Online-Zeitung Rhein-Ruhr" veröffentlichte einen ausgesprochen positiven Artikel zum Dampfen mit offenen Systemen, zum Selbstwickeln und zum Selbstmischen als Subkultur, die im krassen Gegensatz zu Pod-System-Nutzern und Disposable-Konsumenten steht:
Jenseits der Einweg-Vape: Wenn Dampfen zur Feinmechanik wird (arch)
Schade... zu spät. Der Markt für diese Systeme ist nicht mehr zu retten.
Und weshalb?
Die Welt schrieb einen ausführlichen Bericht über den explosiv verlaufenden Wildwuchs des Schwarzmarktes und des Handels mit illegalen Geräten und Liquids. Sie zählen schön auf, was da alles so läuft, jammern, dass dem Staat so viele Einnahmen entgehen würden, verpassen es aber die wahren Gründe dafür zu nennen. Sie erwähnen mal nebenbei, dass der Schwarzmarkt seit der Liquidsteuer stark angewachsen sei und sagen, dass es für die Händler der illegalen Produkte eine enorme Gewinnmarge gibt. Dass das aber alles aus völlig weltfremden Regelungen (ja, schon seit der TPD2) resultiert und an den immer strenger werdenden Richtlinien, sowie die bald in der gesamten EU eingeführten Steuern liegt, wird nicht erwähnt. Passt nicht ins Narrativ. Es fühlt sich eh so an, als ginge es gar nicht in erster Linie gegen das Dampfen, sondern vielmehr gegen die ach so pöööhsen Chinesen.
Hintermänner, Logistik, Gewinne – So funktioniert das Milliarden-Geschäft mit illegalen E-Zigaretten (arch) [Welt]
Der VdeH feiert den Artikel, ohne selbst die inhaltlichen Schwächen auszugleichen. ber ok, sie sind ja eh das Zoll- und Überwachungsbehörden-Mitteilungsblatt geworden. So richtig aktive Verbandsarbeit ist immer weniger erkennbar.
Alterskontrolle für Baumwollwatte und Imkerdraht
op-Online und Handelsblatt schreiben darüber, dass der BGH derzeit in einem Verfahren überprüft, ob die Altersüberprüfung beim Verkauf von Zubehör und nikotin- sowie Liquidfreie Teilartikel überhaupt sein muss.
Jugendschutz bei E-Zigaretten: BGH prüft Alterskontrolle (arch) [op-online.de]
Jugendschutz bei E-Zigaretten: BGH prüft Alterskontrolle (arch) [Handelsblatt]
Das gefällt dem BfTG aber mal so gar nicht. Sie wettern dagegen und wollen, dass weiterhin ALLES einer Altersbeschränkung unterliegt. Was ein schäbiger Verein!
Na wenigstens auch mal wieder was zu Lachen
Ja, denn man darf lesen:
Rauchen, Brennholz und Vaping: Die Auslöser für den Lungenkrebs-Anstieg in Paraguay (arch)
Das schreibt das Online-Magazin "Wochenblatt" aus Paraguai... auf Deutsch übrigens! Ihr Nationales Institut für Atemwegs- und Umwelterkrankungen (INERAM) hat festgestellt, dass Dampfen mit zu einem Anstieg der Lungenkrebserkrankungen führt. Paraguayische Lungen scheinen anders zu sein, als die Lungen aller anderen Völker der Welt. Hut ab!
Aromenverbote
Und das bestimmende Thema der vergangenen Woche ist das von der Bundesregierung angestrebte Verbot von Cooling Agents UND Menthol in Liquids. Da ist halt was durchgesickert, dass sie wohl recht konkret bald umsetzen wollen. Und – welch Zufall – sprießen auch die Berichte über die so schädliche Wirkung von Menthol und seinen Freunden wie Unkraut aus dem Boden. Zufall halt. Passt aber auch prima, denn damit lässt sich ein solches Verbot viel besser verkaufen. Es geht natürlich nur um das "böse" Menthol, wie es in Liquids genutzt wird und darf nicht mit dem "guten" Menthol verwechselt werden, wie es in Inhalationsarzneien, Nasentropfen, Einreibemitteln und sogar in Ich-gewöhne-mir-das-Rauchen-ab-Inhalern vorkommt. Das ist harmlos. Das Liquid-Menthol, das bringt einen hingegen um. Ist wie mit dem Liquid-Nikotin, das tötet und süchtig macht, wo hingegen das Raucherentwöhnungsprodukte-Nikotin nicht schadet und auch nicht abhängig macht. Die Welt ist voller Wunder.
Verbot für Inhaltsstoffe in E-Zigaretten geplant (arch) [Deutsches Ärzteblatt]
Ausgedampft!: Bundesregierung will Menthol-Vapes verbieten - Lungenärzte atmen auf, Tabaklobby läuft Sturm (arch) [Bild]
Bundesernährungsministerium - Verbot für Inhaltsstoffe in E-Zigaretten kommt (arch) [Pharmazeutische Zeitung]
Giftstoffe in Liquids - Bundesinstitut: Kühlstoffe in E-Zigaretten sind schädlich (arch) [Stern] (Genial: Im Text "könnte", "könnte", "könnte" und in der Überschrift die Tatsachenbehauptung.)
Bundesinstitut für Risikobewertung - Kühlstoffe in E-Zigaretten sind schädlich (arch) [Deutschlandfunk]
Mich wundert nichts mehr. Ich reg mich aber auch nicht mehr drüber auf.
Die Auswirkungen des Verbots von Cooling Agents und Menthol sind aber wesentlich weitreichender, als man auf den ersten Blick annehmen mag, denn diese Inhaltsstoffe sind in sehr, sehr vielen Liquids enthalten, die selbst gar nicht irgendwie "Minze" sind, sondern ganz andere Geschmacks-Kompositionen. Das Zeug ist fast überall drin, weil es den Geschmack oftmals abrundet und erst so richtig gut macht. Ohne diese Stoffe werden sehr viele Liquids und damit Geschmacksrichtungen nach und nach verschwinden.
Das BfR lässt sich auch ausführlich über die schädliche Wirkung aus (arch), behauptet dass es ganz doll schlimm ist, man sich aber nicht sicher ist, ob es schlimm ist, weil man noch gar nicht genug geforscht hat, ob es denn wirklich schlimm ist... Schlimm, schlimm... schlimm! So ein beklopptes Geschwurbel hab ich schon lange nicht mehr gelesen.
Stellungnahme Nr. 003/2026 - E-Zigaretten: Kühlstoffe können gesundheitliche Risiken bergen BfR hat neun weitere „Cooling Agents“ bewertet [BfR]
Egal... das war's jetzt erstmal mit dem Schulterblick zurück...
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